DE
scholarly
· TLA / ORAEC
Das Sammeln von Reden, das Auslesen von Sprüchen, das Aussuchen/Erforschen von (oder: das Streben nach) Redewendungen durch intellektuelle Suche (wörtl.: mit dem Suchen durch das Herz), was der Wab-Priester von Heliopolis, Seni's Sohn Chacheperreseneb, genannt Anchu, durchgeführt hat, wobei er sagt: Hätte ich doch unbekannte Redewendungen, ungewöhnliche/seltene Sprüche, bestehend aus neuen Wörtern, die (einem) noch nicht untergekommen sind (oder: die nicht (wieder) vergehen), frei von Wiederholungen, ohne einen Spruch von überlieferter Sprache (?) oder etwas, was (schon) die Vorfahr〈en〉 gesagt haben. Ich möchte meinen Leib durchseihen wegen dessen, was in ihm ist, als ein (mich) Lösen von jedem (bisherigen) Sprecher, denn das, was (bereits) gesagt worden ist, wird/kann doch nur wiederholt werden. Das, was (bereits) gesagt worden ist, ist (längst/ein für allemal) gesagt. Man prahlt (einfach) nicht (wörtl.: nicht gibt es das Prahlen) 〈mit〉 den Worten der Vorfahren, nur weil (?) die Nachfolger (es/sie) (als gut) empfinden. Ein (echter) Sprecher hat (noch) nicht gesprochen, so daß einer, der (wirklich) sprechen wird, (noch) sprechen kann, und so daß ein anderer das, was (dies)er sprechen wird, (für gut) befinden kann. Man hat hinterher nicht (mehr) zugunsten (?) einer zu beredenden Angelegenheit geredet, wenn man (sie) schon längst erledigt hat (wörtl.: indem sie (sie) gemacht haben). (?) Es gibt (bisher?) keine Rede, die ihr Zitiert-Werden beabsichtigt. (?) Das ist (nur) vergebliches Bemühen (wörtl.: Suchen); das ist (nur) eine Lüge. Es gibt keinen, der seinen (d.h. des betreffenden Redners) Namen anderen in Erinnerung rufen wird. Ich habe diese Dinge so gesagt, wie ich (sie) erfahren (wörtl.: gesehen) habe, von der ersten Generation an bis zu denen, die danach gekommen sind, als sie Vergangenes imitierten. Wüßte ich doch, was die anderen nicht wissen, genauer gesagt, etwas, was (noch) nicht wiederholt worden ist! Dann würde ich es sagen, damit mein Herz mir antwortet. Ich würde es (d.h. mein Herz) aufklären über mein Leiden, (und) ich würde die Last, die auf meinem Rücken liegt, auf es abwälzen, (nämlich) die Redewendungen als das, was mich schwächt/quält, (und) ich würde ihm das, was ich seinetwegen (oder: durch es) erleide, kundtun, damit ich "Ah!" sagen könnte wegen meiner fiebrigen Aufregung (?; oder: vor Erleichterung/Beruhigung). Zweiter Monat der Sommerjahreszeit, 28. Tag. Es ist so, daß ich mir Gedanken mache über das, was geschehen ist, (über) den Zustand, der überall im Lande geschehen ist. Veränderungen geschehen; (es) ist nicht wie im Vorjahr. Das (eine) Jahr ist noch beschwerlicher als das andere (wörtl.: sein Zweiter/Gefährte). Das Land ist in Aufruhr (oder: mobilisiert?), für mich zu einer Beeinträchtigung (wörtl.: Zerstörung) geworden, und gemacht zu etwas, das (für immer) ruht (d.h. tot ist). Die Gerechtigkeit ist vor die Tür gesetzt worden; das Unrecht herrscht (wörtl.: ist) im Innern der Ratshalle. Die Angelegenheiten (oder: Pläne) der Götter sind gestört worden; ihre (kultischen) Bedürfnisse (oder: Anweisungen) sind übergangen/vernachlässigt worden. 〈In〉 einer tiefen Krise steckt das Land (wörtl.: daß das Land exitiert, ist 〈im〉 Vorbeigehen an ein Leiden); Gejammer/Trauer herrscht (wörtl.: ist) in jedem Ort. Städte und Gaue sind in Aufschrei/Weheruf; alle Leute zusammen leiden (wörtl.: sind) unter Ungerechtigkeit. Das was Respekt gebietet (wörtl.: die würdevolle Ausstrahlung): man hat ihm den Rücken zugekehrt; die Herren des Schweigens (d.h. die Respekt gebietenden Toten) sind angegriffen/gestört worden. Die Morgendämmerung setzt jeden Tag ein, (aber) das Gesicht ist bestürzt durch das, was (während der Nacht?) geschehen ist. Ich möchte mich dazu äußern (wörtl.: einen Spruch abgeben), (denn) meine Glieder sind (mit einer Bürde) beladen, (und) ich bin trübe gestimmt wegen meines Herzen. Es (das Herz) duldet (es), wenn meine Gefühle (wörtl.: mein Leib) seinetwegen verborgen sind. Es ist so, daß ein anderes Herz einlenken (?; oder (darunter) gebückt gehen) würde. Was (nämlich) das Herz angeht, das tapfer ist in einer schwierigen Lage: es ist der Gefährte seines Besitzers. Hätte ich doch ein Herz von der Sorte, die leiden kann (die weiß, etwas zu ertragen/dulden)! Dann würde ich mich darauf verlassen können. Ich würde es beladen mit Worten des Elends, (und) ich würde mein Leiden zu ihm hintreiben. Er sagt zu seinem Herzen: Komm doch, mein Herz, damit ich zu dir spreche! Du sollst mir meine Sprüche beantworten, (und) du sollst mir erklären (wörtl.: lösen) die Sachen, die überall im Lande sind. (Denn) die, die (einst) hell waren, sind niedergeworfen. Es ist so, daß ich mir Gedanken mache über das, was geschehen ist. Kummer ist heute aufgekommen; (und) (beim) (nächsten) Sonnenaufgang sind die Fremden nicht weitergezogen. Jedermann ist still deswegen. Das ganze Land ist im Ausnahmezustand (wörtl.: in grobem Zustand). Keine Person (wörtl.: Leib) ist frei von Ungerechtigkeit. Alle Leute zusammen betreiben es. Die $ḥꜣtj$-Herzen sind in Trauer versetzt. Der (sonst) eine Weisung erteilt (wörtl.: das Gesicht zeigt) ist (jetzt) einer, dem eine Weisung erteilt wird. (Und doch) sind die Herzen von beiden (wörtl.: das Herz, das zu ihnen beiden gehört) zufrieden. Jeden Tag wacht man morgens dazu auf; (aber) die Herzen schieben es nicht beiseite. Der gestrige Bedarf dabei ist wie (der von) heute, weil die Masse ähnlich vorgeht (?; wörtl.: wegen das Es-Nachahmen durch viele). Die Einsicht ist blockiert. (?) Es gibt keinen Klugen, der (es) versteht (wörtl.: indem er erfahren ist). Es gibt keinen Wütenden, der sich (dazu) äußert (wörtl.: indem er einen Spruch abgibt). Wenn man morgens aufsteht, dann (nur) um (es) jeden Tag zu ertragen. Langwierig und schwer ist mein Leiden. Der Schwache besitzt keine Kraft, damit er 〈sich〉 〈ret〉tet vor einem, der mächtiger ist als er. Es ist etwas Leidvolles, über das zu schweigen, was man gehört hat; (aber) es ist etwas Kummervolles, dem Unwissenden zu antworten. Eine Redewendung abzulehnen (oder: zu kritisieren) verursacht Feindseligkeit; das Herz kann die Wahrheit nicht akzeptieren. Der Bericht einer Tatsache (?) ist nicht (länger) geduldet worden; alles, was ein Mann liebt, ist sein (eigener) Spruch. Jedermann ist fixiert (wörtl.: gegründet) auf krumme Geschäfte; aufgegeben ist die Aufrichtigkeit der Worte. Wenn ich zu dir spreche, mein Herz, dann damit du mir antwortest. Ein Herz, das angegriffen wird (oder: berührt worden ist; wörtl.: das erreicht wird/worden ist), kann nicht schweigen. Siehe, der Bedarf des Dieners ist wie (der) des Herrn. (Entsprechend) viel ist das, was auf dir lastet.